2009-04 Sind RBI und RBM Instandhaltungsstrategien?

 

Wie so oft, sind Drei-Buchstaben-Kombinationen in aller Munde. RBI (risikobasierte Instandhaltung) oder RBM (risc based maintenance) werden als neue Strategien für die Instandhaltung gepriesen. Sind das eigentlich Strategien und wenn nicht, wozu können sie dienlich sein?

 

Einführung

Instandhaltern sind die Strategien 

  • vorbeugend
  • zustandsorientiert und
  • störungsbedingt 

geläufig. Obwohl die Potenziale dieser drei Strategien bisher noch lange nicht überall und vollständig ausgenutzt werden, spricht man heute schon über neue Strategien, denen besonders der Begriff „Risiko“ oder „Risc“ zu Grunde liegt.

 

Manchmal wird das „R“ auch mit dem Begriff „Reliability“, also Zuverlässigkeit oder Verfügbarkeit  gleich gesetzt. Handelt es sich dann um eine neue Strategie?

 

Der Verfasser meint nein, denn das, was mit diesen Begriffen gemeint ist, ist weder neu noch eine Strategie. Warum, ist den folgenden Ausführungen zu entnehmen und wird ergänzt um einen Vorschlag, wie die Anwendung dessen, was hinter diesen Begriffen steht, dennoch praktischen Nutzen bringen kann.

Die echten Strategien

Da wo ohne Strategien Instandhaltung betrieben wird, werden Maschinen betrieben, bis sie wegen Störungen nicht mehr richtig oder überhaupt nicht mehr zu gebrauchen sind. Deshalb kann man darüber streiten, ob man das Instandhaltung nach störungsbedingter Strategie nennen darf oder nicht.

 

Sicher darf man das nur, wenn man seine Anlagen untersucht hat und für einzelne oder auch viele zu dem Schluss kommt, dass es der günstigste Weg ist, sie bis zur Störung zu betreiben, weil man genügend Ersatzanlagen hat oder die Produktion auch einmal aussetzen darf usw.

 

Bei dieser Untersuchung kommt man in aller Regel aber zu der Erkenntnis, dass es Anlagen gibt, die möglichst vor Defekten geschützt werden sollten. Dazu bieten sich zwei (wirkliche) Strategien an. Man inspiziert oder wartet sie vorbeugend. D. h. Verschleißteile oder –stoffe werden ausgetauscht, um damit zu gewährleisten, dass deren Verschleiß nicht zu Schäden führt. Das beste Beispiel ist das eigene Auto, dass man nach Herstellerangaben zur Inspektion und Wartung bringt.

 

Dabei ist man sich aber nie sicher, ob das ausgetauschte Öl nicht noch für einige weitere Kilometer getaugt hätte oder ob der Dichtungsring nicht noch länger dicht gewesen wäre. Man läuft Gefahr sogenannten „Abnutzungsvorrat“ zu verschwenden.

 

Besser ist da die zustandsorientierte Strategie, bei der in Reinform dauernd der aktuelle Zustand einer Maschine oder Anlage erfaßt und auf bestimmte Grenzwerte oder Kriterien hin überwacht wird. Hätte man z. B. bei seinem Kfz. an den Bremsklötzen einen Sensor, der signalisiert, wann die minimale Stärke unterschritten wird oder der auf Grund anderer Kriterien feststellt, dass der Bremsklotz verbraucht ist, tauscht man ihn zustandsorientiert aus.

 

Die dauernde Messung ist mit Zusatzaufwand verbunden und verursacht damit Kosten, die nur dann zu rechtfertigen sind, wenn ein Ausfall oder der verschwendete Abnutzungsvorrat teuerer würde.

Risiko oder Verfügbarkeit als Basis

Wenn man also die o. g. Untersuchung seiner Anlage vornimmt, macht man eine Risiko- oder Verfügbarkeitsabwägung, die zur Einteilung der Anlagenteile in die drei Standardstrategien führt. Es ist also nichts neues, wenn man sich Gedanken über das Ausfallrisiko von Anlagen macht oder wenn man umgekehrt feststellt, wie lange und zu welchen Zeiten eine Maschine verfügbar (reliable) sein muss.

Und es ist auch keine Strategie, sondern ein planerischer Schritt, der zu den tatsächlichen Strategien führt. Strategisch wäre es dann, wenn man festlegen würde, dass diese Untersuchung und Einteilung von Anlagen und Maschinen regelmäßig in einem bestimmten Zyklus gemacht werden sollen, weil sich an den Einschätzungen z. B. auf Grund dauernd wechselnder Einsatzbedingungen etwas ändern könnte. Es ist dann aber eine Planungsstrategie und nur indirekt eine der Instandhaltung.

Wenn ACK zur Vorbereitung einer Ausschreibung, zur Optimierung der bestehenden Instandhaltung oder zum Einsatz eines Instandhaltungsplanungssystems bei Kunden plant, welches die richtigen Strategien sind und welche Einheiten wie eingeteilt werden, dann machen wir genau diese Risiko- und Verfügbarkeitsbetrachtungen mit unseren Kunden zusammen. Dazu nutzen wir unser Werkzeug „MaintainBench“, das eine Kombination von Fehlerbaumanalyse, FME(C)A und Ist-/Soll-Erfassung ist.

Der Anlagenstrukturbaum wird in einer dem Projekt angemessenen Detaillierung zusammengestellt. Abhängigkeiten von Objekten werden untersucht und zugeordnet. Kosten, Kennzahlen usw. werden für alle Einheiten aufgenommen und die gesammelten Informationen werden ausgewertet und führen zu sachlichen Grundlagen für die Wahl der Strategien pro Einheit.

Diese planerische Informationssammlung ist nicht nur Grundlage für Entscheidungen, sondern kann in der Folge weiter genutzt werden, weil

  • die Anlagenstruktur in ein IPS übernommen wird
  • die Risiko-/Verfügbarkeitsuntersuchung zyklisch wiederholt wird und die Einflussgrößenänderungen weiter eingepflegt werden
  • weil die gewonnenen Informationen die Optimierungspotenziale zeigen
  • weil die durchzuführende Ausschreibung sehr exakt ist und damit das Risiko der Vergabe verringert wird

Zusammenfassung

RBI und RBM, ob mit Risiko, Risc oder Reliability genutzt, sind keine Strategien, sondern Methoden und Planungsschritte auf dem Weg zur passenden Instandhaltung. Der Vorgang wurde schon immer durchgeführt, da es die Grundaufgabe von Instandhaltung ist Risiken zu vermeiden und Verfügbarkeit (Reliability) zu schaffen.

Diese Methoden sollten bei komplexen Zusammenhängen (großen Anlagen) genutzt werden und da, wo die Schaffung dieser Grundlagen deshalb schwierig ist, weil die Anlagen und ihr Zusammenwirken schwer zu übersehen oder weil sie ganz neu sind und Erfahrungen noch nicht vorliegen, sollte man dazu Werkzeuge, Planungstools, wie z. B. MaintainBench verwenden.